Was ist PISA überhaupt?
PISA ist eine internationale Untersuchung.
Der Name steht für „Programme for International Student Assessment“.
Alle drei Jahre werden 15-jährige Schülerinnen und Schüler aus vielen Ländern getestet. Bei PISA 2025 nahmen mehr als 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. In Deutschland waren es rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen.
Dabei geht es nicht einfach darum, Vokabeln, Formeln oder Jahreszahlen auswendig zu kennen.
Die Aufgaben sollen zeigen, ob Jugendliche etwas verstanden haben und ihr Wissen auch bei neuen Problemen einsetzen können.
Untersucht werden vor allem Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.
Was ist diesmal passiert?
Die Ergebnisse von PISA 2025 wurden am 8. September 2026 veröffentlicht.
Und für Deutschland gibt es keine guten Nachrichten.
Beim Lesen erreichten die Jugendlichen durchschnittlich 465 Punkte. 2022 waren es noch 480.
In Mathematik sank das Ergebnis von 475 auf 464 Punkte.
In den Naturwissenschaften liegt Deutschland bei 486 Punkten. Hier ist die Veränderung gegenüber 2022 so klein, dass sie statistisch nicht als bedeutsamer Rückgang gilt.
Noch wichtiger ist aber der langfristige Blick.
Die OECD sagt, dass Deutschland 2025 in allen drei Bereichen die niedrigsten Ergebnisse erreicht hat, die bei PISA für Deutschland bislang gemessen wurden.
Der Abwärtstrend läuft also nicht erst seit gestern.

Ist jetzt jeder dritte Schüler schlecht in Mathe?
Nein.
So sollte man die Zahlen auf keinen Fall verstehen.
PISA teilt die Ergebnisse in verschiedene Kompetenzstufen ein. Die Stufe 2 gilt dabei als wichtiges Mindestniveau.
In Mathematik erreichen in Deutschland 66 Prozent mindestens diese Stufe.
Umgekehrt bedeutet das: 34 Prozent erreichen sie nicht.
Beim Lesen erreichen 68 Prozent mindestens Stufe 2. Also bleiben 32 Prozent darunter.
In den Naturwissenschaften erreichen 73 Prozent das Mindestniveau.
Aber „unter dem Mindestniveau“ bedeutet nicht „dumm“.
Es bedeutet beispielsweise, dass ein Jugendlicher Schwierigkeiten haben kann, mathematische Zusammenhänge in einer einfachen Alltagssituation selbstständig zu erkennen oder die Hauptaussage eines mittellangen Textes sicher zu erfassen.
Genau deshalb sind diese Zahlen so wichtig.
Lesen und Rechnen braucht man schließlich nicht nur für Klassenarbeiten.
Man braucht sie jeden Tag.
Ist Deutschland damit eines der schlechtesten Länder?
Nein.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Deutschland liegt beim Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften weiterhin ungefähr im Durchschnitt der OECD-Länder.
Auch andere Länder haben in den vergangenen Jahren schlechtere Ergebnisse erzielt.
PISA 2025 zeigt sogar, dass Lesen und Mathematik im Durchschnitt der OECD-Länder weiter zurückgegangen sind.
Das Problem für Deutschland ist deshalb nicht einfach ein schlechter Platz in einer Rangliste.
Das Problem ist die Entwicklung.
Wenn Jugendliche heute im Durchschnitt schlechter lesen und rechnen können als Jugendliche vor einigen Jahren, sollte man herausfinden, warum das passiert.

Warum werden die Ergebnisse schlechter?
Darauf gibt es keine einfache Antwort.
PISA kann zeigen, was zusammenhängt. Die Studie kann aber nicht beweisen, dass eine einzige Sache an allem schuld ist.
Ein besonders großes Problem in Deutschland ist die soziale Herkunft.
Jugendliche aus sozial und wirtschaftlich gut gestellten Familien erreichten in den Naturwissenschaften durchschnittlich 125 Punkte mehr als Jugendliche aus benachteiligten Familien.
Im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Unterschied 85 Punkte.
Und diese Lücke ist in Deutschland seit 2015 sogar größer geworden.
Das bedeutet: Wie gut ein Kind in der Schule zurechtkommt, hängt in Deutschland noch immer ungewöhnlich stark davon ab, unter welchen Bedingungen es aufwächst.
Liegt es an Handys und Computern?
Auch das lässt sich nicht so einfach sagen.
Digitale Geräte können beim Lernen helfen. Sie können aber auch ablenken.
33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten laut den PISA-Daten, dass Mitschüler sie in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden durch digitale Geräte ablenken.
An Schulen mit Handyverbot berichten Jugendliche deutlich seltener von solcher Ablenkung.
Gleichzeitig gehören Computer und inzwischen auch Künstliche Intelligenz längst zum Lernen dazu.
Die Frage ist deshalb nicht einfach:
„Handy oder kein Handy?“
Viel wichtiger ist:
Wie benutzen wir digitale Technik so, dass sie beim Lernen hilft und uns nicht ständig ablenkt?
Haben Jugendliche überhaupt noch Lust zu lernen?
Hier werden die Ergebnisse besonders interessant.
77 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sagen, dass sie auf viele verschiedene Dinge neugierig sind.
Das ist eine ziemlich gute Nachricht.
Gleichzeitig sagt aber etwa jeder dritte Jugendliche, Schule sei Zeitverschwendung.
Das passt auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen.
Viele Jugendliche wollen also Dinge wissen und verstehen.
Die spannende Frage lautet deshalb auch:

Wie kann Schule diese Neugier besser nutzen?
Und was bedeutet PISA jetzt für dich?
Wenn du selbst zur Schule gehst, solltest du eines wissen:
PISA gibt dir keine Note.
Die Ergebnisse sagen nicht, wie klug du bist.
Bei solchen Untersuchungen werden viele Jugendliche getestet, damit Wissenschaftler erkennen können, wie gut das Bildungssystem insgesamt funktioniert.
Und auch schlechte Ergebnisse können nützlich sein.
Denn wenn man weiß, wo Probleme liegen, kann man versuchen, etwas zu verändern.
Zum Beispiel beim Lesenlernen, beim Mathematikunterricht, bei der Unterstützung von Kindern, die schlechtere Startbedingungen haben oder bei der Frage, wie digitale Geräte im Unterricht sinnvoll eingesetzt werden.
Hat Deutschland bei PISA also versagt?
„Versagt“ ist ein ziemlich großes Wort.
Die Ergebnisse sind ernst. Und schönreden sollte man sie nicht.
Aber Deutschland liegt weiterhin ungefähr im OECD-Durchschnitt und es gibt auch viele Jugendliche mit sehr guten Leistungen.
Das Warnsignal liegt woanders:
Die Leistungen gehen seit Jahren zurück und immer mehr Jugendliche erreichen wichtige Grundkompetenzen nicht.
Deshalb sollte die entscheidende Frage nicht lauten:
„Wer ist schuld?“
Sondern:
„Was müssen wir verändern, damit Kinder und Jugendliche wieder besser lernen können?“
Das ist eine Frage, die Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer und Politiker gleichermaßen betrifft.
